Der Shop ist online, die Produkte sind drin, und die Bestellungen bleiben aus. Bevor du etwas umbaust, lohnt sich eine Viertelstunde mit den eigenen Zahlen.
In Händlerforen steht diese Frage regelmäßig, oft schon wenige Wochen nach dem Start. Die Antworten reichen dann vom neuen Design über niedrigere Preise bis zur nächsten Werbekampagne. Jeder Vorschlag kostet Zeit oder Geld, und keiner klärt, woran es im eigenen Shop gerade liegt.
Denn „niemand kauft“ beschreibt vier verschiedene Situationen, und jede verlangt etwas anderes. Welche gerade zutrifft, zeigt die Google Search Console. Sie ist kostenlos und zeigt, wie Google den eigenen Shop sieht. Die vier Stationen bauen aufeinander auf, deshalb beginnt die Prüfung bei der ersten.

Station 1: Kennt Google deine Seiten?
Der Bericht „Seiten“ zeigt, welche Adressen im Google-Index stehen. Was dort fehlt, kann über die Suche niemand finden, so gut der Shop auch ist. Gerade Produktseiten neuer Shops bleiben anfangs oft außen vor.
Hier hilft es, die Sitemap einzureichen, für die wichtigsten Seiten die Indexierung zu beantragen und sie von anderen Seiten des Shops aus zu verlinken. Danach braucht es etwas Geduld, denn Google arbeitet die Anträge nach eigenem Tempo ab.
Station 2: Taucht dein Shop bei Suchanfragen auf?
Die Seite steht im Index, im Bericht „Leistung“ bleiben die Impressionen aber bei null oder nahe null. Google hat also noch keine Suchanfrage gefunden, zu der die Seite passt, oder ihr noch keinen Platz zugetraut.
Bei einem neuen Shop ist das normal, gib ihm deshalb einige Wochen. Ändert sich danach wenig, lohnt sich ein Blick auf die Sprache der Seite: Steht dort das Wort, das ein Käufer eintippen würde, oder ein Begriff, den nur der Hersteller benutzt? Oft hilft es auch, gezielt eine Frage zu beantworten, die Käufer wirklich stellen. Ganze Fragen sind für einen jungen Shop leichter zu erreichen als kurze Sammelbegriffe.
Station 3: Klicken die Menschen auf dein Ergebnis?
Jetzt gibt es Impressionen, aber kaum Klicks. Hier zählt die durchschnittliche Position. Liegt sie jenseits der zweiten Ergebnisseite, testet Google die Seite noch, und mehr Inhalt und interne Links bringen sie am ehesten voran.
Steht die Seite weiter vorn und wird trotzdem übergangen, ist das eine gute Nachricht, denn dafür gibt es einen schnellen Hebel: Titel und Beschreibung. Sie sind das Erste, was ein Suchender von deinem Shop sieht. Formuliere sie so, dass er sofort erkennt, dass er hier die Antwort auf seine Frage findet.
Station 4: Kommen Besucher, aber niemand bestellt?
Erst an dieser Station geht es um den Shop selbst, also um Produkttexte, Preise, Versandkosten, Vertrauen und den Weg zur Kasse. Wer vorher am Design oder an den Preisen dreht, bearbeitet eine Stelle, die noch kein Besucher gesehen hat.
Dabei hilft etwas Gelassenheit bei den Zahlen: Von wenigen Dutzend Besuchern kauft oft noch niemand, und das sagt wenig über den Shop aus. Aussagekräftig wird es, wenn über längere Zeit genug Besucher kommen und die Bestellungen trotzdem ausbleiben.
Was jetzt warten kann
Bezahlte Werbung verstärkt, was schon funktioniert. Solange die Seiten nicht überzeugen, bezahlst du für Besucher, die wieder gehen. Auch fünf neue Kanäle auf einmal helfen selten weiter, weil jeder einen Mindesteinsatz verlangt, der sich dann auf alle verteilt.
Kommen deine Kunden vor allem über einen anderen Weg als die Suche, etwa über eine Plattform oder einen Newsletter, gilt dieselbe Reihenfolge: Werden die Menschen erreicht, reagieren sie, kommen sie im Shop an, und bestellen sie dort?
Sichtbarkeit braucht bei einem neuen Shop mehrere Monate. Wer einmal im Monat dieselben Zahlen ansieht und aufschreibt, was er geändert hat, weiß irgendwann genau, was bei ihm wirkt.
Die Frage lautet also selten, warum niemand kauft, sondern an welcher Station der Käufer gerade noch fehlt.